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Der evangelische Friedhof Simmering

Nach der behördlichen Genehmigung des Antrages zur Errichtung eines Friedhofes, erfolgte die Ausschreibung eines Wettbewerbes für die Gestaltung des Areals. Für die Planung wurden in der „Konkurs – Ausschreibung“ eine Reihe von Vorgaben aufgezählt, die für den Betrieb des Friedhofes als unerlässlich angesehne wurden. Das bedeutendste Gebäude sollte die Einsegnungshalle sein, der Begriff Kirche oder Kapelle wurde vermieden, „um damit klar zum ausdrucke zu bringen, dass die vorhandenen Geldmittel so geringe sind, dass sich die ganze Anlage in den bescheidensten Grenzen zu bewegen haben wird.“ Die Halle sollte einen Fassungsraum von 150 Stehplätzen sowie 50 Sitzplätzen haben und mit einer Sakristei, einen Warteraum verbunden sein. Zu „bekrönen“ sei das Gebäude mit einem Türmchen oder ein Glockengerüst für zwei Glocken. Vorgesehen waren noch zwei Leichenkammern für je sechs Leichen samt einem darüber oder daneben angeordneten Wächterzimmer, eine Forderung, die mit der Angst vor dem Scheintod zu tun hatte. Als zweitwichtigstes Bauwerk wurde das Administrationsgebäude angesehen, daneben waren in die Planung Wohnraum für die Friedhofswächter, ein Depot für Kränze und Grablaternen zwei Wirtschafthöfe, eine Gärtnerei mit Glashäusern sowie ein Stall einzubeziehen. Geplant war die meisten der Gebäude in Gruppen um eine Vorplatz beim Eingang anzuordnen und in „sämtlichen Ubikationen“ Gas- und Wasserleitungen zu installieren. Obwohl der Friedhof eine eigene abgeschlossenen Einheit darstellen sollte, wurde es den Projektanten zur Auflage gemacht, in der Anlage der Wege auf den benachbarten Zentralfriedhof Rücksicht zu nehmen, „da seinerzeit die Mauer zwischen dem neuen Friedhofe und dem Zentralfriedhofe entfernt werden soll“ und …. „besonders auf die Richtung des Straßenzuges, auf welchem die Gräber der Märzgefallenen (von 1848) erreicht werden“. Die Gesamtkosten der Anlage, die für den Anfang 300 Grüfte, rund 6000 Gräber sowie 500 Schachtgräber umfassen sollte, waren mit 100.000 Kronen präliminiert.

Unter den sieben Konzepten die rechtzeitig einlangten – ein achtes wurde verspätete nachgereicht – ging bei der Auslobung durch die Jury das Projekt „Friede“ der Architekten Friedrich Wolschner und Robert Diedtel vor „Vindobona 1904“ von Molnar & Bielolavek als Sieger hervor. Für die erstgereihten sprach die optimale Ausnutzung des Raumes, indem links vom Eingang Administration und Wartehalle, rechts die Leichenhalle und axial die Kapelle situiert sein sollte. Die Bauarbeiten führte Baumeister Alois Schneider durch.

Eingeweiht wurde der Friedhof in Anwesenheit des Präsidenten des evangelischen Kirchenrates Sektionschef Dr. Rudolf Franz, des Vertreters der nö. Statthalterei, Statthaltereirat Graf Lamenzan, von Bürgermeister Dr. Karl Lueger, des Obermagistratsrates Appel sowie prominenten Vertretern der beiden evangelischen Gemeinde, am 14. November 1904. Nach einer Ansprache des Kurators Dr. Theodor Reisch und der Schlusssteinlegung nahm Pfarrer Rudolf Morally in der Friedhofskapelle die Einweihung vor. Anschließend begaben sich die Versammelten unter Glockengeläute zum Kreuzplatz am Ende des Friedhofes, wo Oberkirchenrat Pfarrer Carl Alphos Witz – Oberlin ein Weihegebet sprach und Pfarrer Friedrich Otto Schack den Segen Gottes erbat.

Bereits zwei Tage nach diesem feierlichen Akt fand die erste Bestattung statt. Wie schon auf dem Matzleinsdorfer Friedhof teilen sich die beiden Kirchen das Eigentum im Verhältnis 3:1. Das Areal umfasste 63.600 m² und fürs Erste waren 223 Grüfte, 2368 Eigengräber und 200 Schachtgräber vorgesehen.

Der Friedhof wurde 1926 und 1972 erweitert und 1998 gibt es auf dem noch immer als eigene Einheit bestehenden Gottesacker rund 6000 Begräbnisstätten.

1977/78 erfolgte eine Umgestaltung der bereits 1931 erweiterten Aufbahrungshalle zu zwei Zeremonienräumen nach den Plänen von Erich Boltenstern. Die modernen Glasfenster stammen von Erich Bauch und die kleinen Altäre mit Kreuzen entwarf Hans Robert Pippal.

Die Heilandskirche

Mit dem Friedhof entstand nach den Plänen von Friedrich Wolschner und Robert Diedtel ein schlichter späthistoristischer Saalbau mit einem nördlichen Fassadenturm, heute Heilandskirche benannt. Die Bauausführung besorgte Baumeister August Schaffel. Zwei Figuren von Josef Günhut, die Glaube und Hoffnung darstellen, zieren den Turmaufbau, dessen zwei Glocken bei Georg Hoessner in Simmering gegossen wurden. Sie waren eine spende des Porzellanwaren-händlers Erich Wahliß.

Der Innenraum bietet für 300 Gäste Platz, sieben mit ornamentalen Motiven verzierte Glasfenster geben dem Raum die notwendige Beleuchtung. Die Fenster wurden von den Familien Hanich, Reisch, Scheffel, Frau Beschorner-Gerlach, dem Presbyter Angermann, dem Klub der Evangelischen im XIII Bezirk und der Tischgesellschaft des XV Bezirks gespendet. Links und rechts vom Eingang erinnern zwei eingelassenen Tafeln an die Einweihung und an die Planverfasser und den Baumeister. Den Retabelaltar in der Apsis ziert ein Kruzifix von Josef Grünhut.

Am Tage der Friedhofseröffnung wurde der Schlussstein gesetzt, wobei auch Bürgermeister Lueger kurz das Wort ergriff und Wunsch äußerte, „dass Frieden herrschen möge unter jenen, welche christlichen Glaubens sind“. Die Weihe der Kirche erfolgte durch Pfarrer Rudolf Morally.

1982/83 wurden die Glasfenster, die im Zweiten Weltkrieg zerstört worden waren, teilweise wieder rekonstruiert. Das Fenster links vom Eingang weist Dora Auer von Welsbach als Spenderin aus, das rechte Pendant stammt von Leopoldine und Karl Matysek.