Dr. Georg LOTHEISSEN

Chirurg

geb.:  14. 09. 1868, Genf
gest.: 23. 10. 1941, Wien

Der Sohn des Romanisten Ferdinand Lotheissen wuchs zuerst in Genf auf bevor die Familie nach Wien übersiedelte, wo der Vater an einer Oberrealschule unterrichtete. Schon vor seiner Promotion zum Doktor der Medizin arbeite Georg Lotheissen als Prosektor an der anatomischen Lehrkanzel von Emil Zuckerkandl. 1894 wandte er sich der Chirurgie zu und wurde Operationszögling bei Theodor Billroth und dann nach dessen Tod bei dessen Nachfolger Carl Gussenbauer. 1895 ging er als 1. Assistent von Professor Viktor von Hacker nach Innsbruck, wo er sich 1899 habilitierte.

Von 1902 bis 1935 leitete er die chirurgische Abteilung des Kaiser Franz Josef Spitals in Wien. 1915 erhielt er den Titel eines außerordentlichen Professors und 1921 wurde er zum Hofrat ernannt. 1936 trat der verdiente Chirurg und anregende Lehrer in den Ruhestand.

Die Leistungen von Georg Lotheissen lagen insbesondere auf dem Gebiet der Radikaloperation von Schenkelhernien, der Lunge, vor allem aber der Speiseröhre. Dabei entwickelte er eine bahnbrechende Technik zur Behandlung von Speiseröhrenrestriktionen. Ebenso wirkte er als Pionier der plastischen Chirurgie, indem er komplette künstliche Speiseröhren einsetzte. Mit der virtuosen Handhabung des Ösophagoskops und der elektrolytischen Sonde entwickelte er die Ösophaguschirurgie seines Lehrers Viktor von Hacker weiter. Für den Fortschritt aufgeschlossen, gelangten bei seinen Operationen die jeweils neuesten Narkosetechniken, wie Ätylchlorid und Sauerstoffnarkose zum Einsatz.

Lit.:
Czeike Felix: Historisches Lexikon, Wien, Bd. 4, Wien 1995, S. 97
Lesky Erna: Meilensteine der Wiener Medizin, Wien 1981, S. 120
Mecenseffy Grete: Evangelische Lehrer an der Wiener Universität, Wien 1967, S. 117

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